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JA NEIN

warum céline die oberhand behält

Nachdem unsere Brauerin Celine in der letzten Folge des Braublogs keck behauptet hatte, Frauen hätten die besseren Geschmacksnerven, und Remo sowieso der Überzeugung ist, Degustation sei seine Paradedisziplin, will ich heute herausfinden, wie voll die beiden den Mund genommen haben. Zu diesem Zweck habe ich einen Degustations-Wettkampf organisiert – eine knallharte Battle, um ein für alle Mal zu klären, wer sich Bier-Experte nennen darf, und wer nur heisse Luft produziert. Es winken Ruhm und Ehre – oder tiefste Schande.


Die Aufgabe

Die beiden bekommen acht Biere vorgesetzt. National und international bunt gemischt. Am meisten Punkte können bei der Hauptaufgabe geholt werden: dem richtigen Bierstil. Bonuspunkte gibt es für das Erkennen der Volumenprozente und des Herkunftslandes. Und wer sogar die Brauerei erkennt, für den gibt es nochmals einen fetten Bonus. Aber natürlich macht die Sache mit ein paar kleinen, eingebauten Fieseleien mehr Spass. Deswegen werden falsche Antworten beim Bierstil gnadenlos mit Punkteabzug bestraft. Ausserdem habe ich mir bei der Auswahl der Biere besonders viel Zeit gelassen: Ein paar Klassiker, um die beiden in Sicherheit zu wiegen, und ein paar Exoten. Sowie ein Ding der Unmöglichkeit – zumindest in meinen Augen. Aber: Ich werde überrascht werden.

cup-handicap

Remo erscheint mit Verspätung zur Battle. Der eingefleischte FCL-Fan hat den Cupsieg am Tag zuvor etwas zu sehr gefeiert. Ein Handicap, das er sich selbst zuzuschreiben hat. Und das von Celine mit Vergnügen zur Kenntnis genommen wird – verspricht sie sich doch einige Vorteile von seinem leicht lädierten Zustand.

Runde 1

Das erste Bier des ersten Flights dient zum Aufwärmen: Unser neues Eichhof 0.0. Volle Punktzahl für beide. Alles andere wäre beschämend gewesen.

Beim zweiten wird es schon schwieriger. Die «Oude Gueuze» der belgischen Brauerei Timmermans ist zwar leicht als Sauerbier zu erkennen. Doch welcher Stil genau? Während Celine sich nicht festlegen will, aber zumindest mit dem Land richtigliegt, verrennt sich Remo nach Finnland. Und auch sein gewählter Bierstil «Gose» hat mehr mit dem Flüsschen im norddeutschen Harz zu tun, als mit einem belgischen Gueuze, auch wenn die Namen ähnlich klingen. Immerhin ist auch ein Gose ein Sauerbier. Trotzdem Punktabzug für beide.

Ein Lager muss als meistgetrunkener Bierstil der Schweiz natürlich auch vertreten sein. Aber ein Schweizer Lager wäre zu einfach. Weswegen wir in die Karibik schweifen: Das «Red Stripe» bringt heissen Reggae in die Degustationsreihe. Allerdings scheinen karibische Rhythmen nicht so das Ding der beiden zu sein. Celine verordnet das jamaikanische Kultbier nach Deutschland, Remo in die Schweiz. Immerhin gibt sich beim Bierstil keiner der beiden eine Blösse: Volle Punktzahl in dieser Teilaufgabe. Bonuspunkte gibt es allerdings für beide nicht.

Das vierte und letzte Bier des ersten Flights scheint eine zu leichte Aufgabe zu sein. Das «Heitere Kloster» von Eichhof wird von beiden auf Anhieb erkannt. Punktemaximum, inklusive Bonuspunkten. Meine Strategie der Verwirrung scheint nicht aufzugehen.

Runde 2

Auf das erste Bier des zweiten Flights bin selbst ich gespannt. Es handelt sich um das Abschlussbier der Schweizer Brauer-Lernenden – ein Pale Ale, gebraut mit Norwegischer Kveik-Hefe. Und siehe da: Celine schlägt zu. Bei Stil, Land und Volumenprozenten trifft sie voll ins Schwarze. Remo hingegen kriegt Punkteabzug für sein IPA, und auch mit den USA liegt er ein paar Tausend Kilometer daneben. Ist das die Entscheidung?

Auf das nächste Bier freue ich mich diebisch, ist es doch das erwähnte Ding der Unmöglichkeit. Zwei Länder, zwei Bierstile, ein Bier: Aus einer Kooperation von Timmermans und Guinness entstand eine Mischung aus belgischem Lambic und irischem Stout. Keine Chance – dachte ich. Umso überraschter bin ich, dass ich Punkte verteilen muss, wenn auch nicht die volle Anzahl. Aber während Remo das Sauerbier erkennt, punktet Celine mit dem Stout. Und auch bei der Herkunft muss ich Bonuspunkte geben: Beide landen in Belgien, was immerhin zur Hälfte richtig ist. Chapeau!

Auf den Höhenflug kommt meistens der Fall. Und der ist tief. Als nächstes steht nämlich ein echter Klassiker auf dem Programm: Das «Salvator» der Münchner Brauerei Paulaner. Dieser Urvater des Doppelbocks spielt in einer eigenen Liga, und müsste entsprechend leicht erkennbar sein. Falsch gedacht. Remo glaubt ein irisches Red Ale zu erkennen, während Celine sich wiederum nicht festlegen will. Aber es sei ganz sicher mit Dinkelmalz gebraut. Ein grober Schnitzer von beiden, der mit vollem Punkteabzug bestraft wird. Aber ganz ohne Blamage wäre der Spass ja auch nur halb so gross …

Als krönenden Abschluss serviere ich ein «Imperial Stout» von Samuel Smith. Ein eher leichtes «Imperial», weswegen ich es beiden nicht übelnehme, dass sie bloss beim Stout landen. Den Alkoholgehalt treffen sie beide richtig, aber während Remo das Bier korrekt nach England verordnet, landet Celine in Schottland. Leichte Vorteile für Remo.

und der gewinner ist...

Kompliment an beide: Ich habe eine Degustation auf hohem Niveau gesehen. In der Schlusswertung hat Celine die Nase leicht vorne mit 265 zu 225 Punkten. Vor allem beim Erkennen der Volumenprozente hat sie mit Bonuspunkten den Unterschied gemacht. Hier zeigt sich ihre volle Erfahrung als Brauerin.

Für Remo ist es eine knappe Niederlage, die er nicht auf sich sitzen lassen will. Bereits fordert er Revanche – mit der Bedingung, dass diese nicht mehr nach einem FCL-Match stattfinde …

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